Einschlafprobleme Hände weg von Schlafprogrammen für Babys

Schlafprogramme versprechen Eltern, die Einschlafprobleme ihrer Kinder zu lösen. Doch diese Programme versetzen die Kinder in Todesangst. Nur wenn sich die Kinder beschützt und sicher fühlen, finden sie echte Ruhe.

Gerade beim Thema Schlaf, wo es viel um emotionale Nähe und grundlegende, existenzielle Bedürfnisse der Kinder geht, sind Eltern besonders unsicher, denn sie werden häufig von Ratgebern „gewarnt“, die ihnen weismachen: Wenn sie Kinder nicht alleine schlafen lassen, wenn sie den Bedürfnissen der Kinder hier „nachgeben“, würden sie ihre Kinder verwöhnen! Das ist nicht wahr und doch verunsichert es Eltern oft so sehr, dass sie häufig ihre eigene gute Intuition verlieren. (…)

Wir sollten wissen, was wir tun, wenn wir solche („Erziehungs“)Methoden anwenden: Sie sind rein auf das Verhalten des Kindes ausgerichtet und berücksichtigen nicht seine emotionalen Bedürfnisse nach Wärme, Schutz und Geborgenheit. Das Kind ist so gezwungen, mit Gefühlen wie Angst, Unsicherheit und Einsamkeit allein umzugehen.

Schlafprogramme versetzen die Kinder in Todesangst

Die Botschaften an das Kind sind: Meine Bedürfnisse (nach Nähe und Liebe zu meinen Eltern) sind falsch. Ich muss alleine mit meiner Angst klar kommen. Keiner sorgt für mich – ich bin alleine auf mich gestellt.

Zur Person

Katharina Saalfrank studierte Pädagogik und trat 2004 erstmals in der RTL-Sendung “Die Super-Nanny” auf. Saalfrank leitet heute eine private Praxis für Eltern- und Familienberatung, Kindercoaching sowie Paarberatung in Berlin. Der Text ist ein Auszug aus ihrem Buch “Was unsere Kinder brauchen”.

Das jedoch ist ungesund für Kinder – sie sind damit überfordert. Denn die Angst verliert sich erst im Lauf der Zeit, wenn eine einfühlsame Bezugsperson konstant emotional ansprechbar ist.

Schlaflernprogramme sind aus entwicklungspsychologischer Sicht kontraproduktiv, weil sie Kindern ihre emotionalen Bedürfnisse „abtrainieren“. Kinder sind so gezwungen ihre Gefühle zu unterdrücken.

Diese Programme versetzen Kinder in Todesangst und bieten keine Möglichkeit, Sicherheit zu erfahren und so eigene innere gute Strategien zur Überwindung und Verarbeitung der Ängste zu entwickeln. Das ist nur möglich, wenn Eltern achtsam und feinfühlig auf die Gefühle und Bedürfnisse eingehen und Kindern Sicherheit vermitteln. Die Voraussetzungen für eine sichere Atmosphäre sind bei Schlaflernprogrammen nicht gegeben. Es entsteht überflüssiger Stress, das Einschlafen wird erschwert und die Beziehung zwischen Mutter und Kind wird belastet.

Auf die Gefühle der Kinder achten

Gerade beim Thema Schlafen ist es sehr wichtig, dass wir die (Ur-)Gefühle von Kindern berücksichtigen und Kinder diese nicht unterdrücken und selbst regulieren müssen. Warum? Kinder sind keine selbstständigen Schläfer von Anfang an. Das, was vielen Eltern nachts den letzten Nerv raubt und für uns erst mal nicht nachvollziehbar erscheint – die Unruhe, das Weinen und das ausgeprägte Schutzbedürfnis der Kleinen – ist aus evolutionsbiologischer Sicht äußerst sinnvoll. Denn ohne den Schutz eines Erwachsenen einzuschlafen, hätte in der menschlichen Frühzeit den sicheren Tod bedeutet. Kinder wären von wilden Tieren, Bären oder Hyänen, verschleppt und gefressen worden. So hat die Natur ein evolutionsbiologisches Programm, ein inneres Alarmsystem tief in Kindern installiert, welches ihnen das Überleben sicherte.

Selbstständiges Einschlafen muss gelernt werden

Dieses Programm ist auch heute noch aktiv und wird ausgelöst, sobald das Kind sich alleine und schutzlos fühlt, es ihm an Orientierung und Sicherheit fehlt, ihm kalt wird und es Hunger verspürt. Das bedeutet: Selbstständiges Einschlafen muss erst gelernt werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Kind sich entspannen kann. Wenn Kinder Angst haben, entsteht Stress, und so wird das Einschlafen unmöglich. Kinder erleben beim Zubettgehen eine Trennungssituation. Allein das kann schon Ängste hervorrufen und führt häufig zu Verunsicherung und somit zu Stress bei Kindern.

Um einschlafen zu können, müssen Kinder sich also warm, satt, geschützt, geborgen und frei von Angst fühlen. Ist diese Atmosphäre nicht gegeben, so wird der Schlaf sicher verhindert. Alles braucht seine Zeit. Ein Kind muss erst die immer wiederkehrende Erfahrung machen, dass es nicht alleine ist und die Eltern es nicht alleine lassen.

Das gelingt jedoch nicht über kognitive Erklärungen („Wir sind doch da!“). Vielmehr muss das Nervensystem dies immer wieder psychisch und physisch tatsächlich erfahren (durch Körper und Blickkontakt, eine beruhigende Stimme). Erst dann wird sich die Erfahrung nachhaltig verankern und das Kind eine innere Gewissheit erlangen. Mit der Zeit lernt es dann, jederzeit sicher darauf zurückzugreifen. Doch dauert dieser Prozess oft Jahre.

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Manchmal kann es auch bei älteren Kindern, die schon selbstständige Schläfer waren, wieder dazu kommen, dass sie nachts mehr Nähe und Schutz bei den Eltern suchen. Häufig sind solche Verunsicherungen der Kinder auf Ereignisse wie Kita- oder Schuleintritt beziehungsweise -wechsel oder auch familiäre Veränderungen, wie die Ankunft eines Geschwisterkindes zurückzuführen. Alle Menschen, ob groß oder klein verarbeiten in der Nacht, was sie am Tag erleben. Deshalb ist es sinnvoll, auch immer auch die Gesamtsituation im Blick zu haben und nicht nur isoliert auf das Einschlafen des Kindes zu schauen. (…)

Tipps für besseres Einschlafen

Im Zusammenhang mit der Zubettgeh-Situation und dem Einschlafen können Sie als Eltern einiges tun, um Ihr Kind bei seiner gesunden emotionalen Entwicklung zu unterstützen:

  • Beachten Sie den INDIVIDUELLEN SCHLAFBEDARF ihres Kindes, denn Kinder sind auch in dieser Beziehung sehr unterschiedlich.
  • Seien Sie als VERTRAUTE BEZUGSPERSON immer ansprechbar.
  • Wichtig für Kleinkinder: Schlaf hängt vom biologischen Rhythmus ab, der sich gut durch einen REGELMÄSSIGEN TAGESABLAUF und eine VERLÄSSLICHE ROUTINE herausbilden kann. Wiederkehrende gemeinsame RITUALE geben Sicherheit und helfen, zur Ruhe zu kommen.
  • Schaffen Sie eine RUHIGE ATMOSPHÄRE, also kein Lärm, ruhiges Reden, ruhige Bewegungen.
  • Nehmen Sie sich ZEIT zum VERABSCHIEDEN! Schlaf bedeutet auch Loslassen mit Abschiedsschmerz und Trennung.
  • Bleiben Sie in RÄUMLICHER NÄHE zum Kind, damit sie immer auf seine Bedürfnisse reagieren können.
  • Lassen Sie NIEMALS Ihr Kind ALLEIN, wenn es schreit! Eine solche Erfahrung, kann die Bindung zu Ihrem Kind negativ beeinflussen.

Lassen Sie sich nicht einreden, Sie würden ihr Kind „verwöhnen“, wenn Sie es beruhigen. Das geht gar nicht! Verwöhnen kann man nur jemanden, der selbst für sich sorgen kann. Ihr Baby kann das aber nicht – weder körperlich noch emotional. Es ist auf Sie und ihre Feinfühligkeit angewiesen und kann sich nur über Schreien ausdrücken.

Versuchen Sie nicht, Kinder zum Schlafen zu überreden, indem Sie argumentieren: „Es ist dunkel und Kinder müssen jetzt schlafen – alle Kinder schlafen doch jetzt!“ Oder: „Es ist doch jetzt schon so spät!“

Gute Sätze für Kinder können sein:

  • Morgen ist auch noch ein Tag – dann sehen wir uns wieder.
  • Ich brauche jetzt eine Pause, damit ich morgen wieder fröhlich und gut für dich da sein kann.

So fühlen Kinder sich nicht überredet und „abgeschoben“, sondern hören, dass Eltern trotz der räumlichen Trennung für sie da sind und auch ihre eigenen Bedürfnisse formulieren. Das gibt Sicherheit.

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